32. Spieltag:
Der Sack ist zu

Jetzt ist es amtlich: Der alte Meister ist auch wieder der neue. Was bisher ein Privileg der Bayern zu sein schien, nämlich Meisterschaften in Serie, haben jetzt die Borussen übernommen. Ich nehme ihnen zwar immer noch ein wenig die dürftigen Europapokal-Auftritte übel, aber in der Bundesliga sind sie zur Zeit definitiv das Maß aller Dinge. Bayern zweimal geputzt, Schalke auch, gegen Gladbach vier Punkte geholt, da hat man den Titel sicherlich verdient. Und das trotz des Weggangs von Sahin und der langen Verletzung von Goetze. Dafür wurde Gündogan behutsam eingebaut, Kehl ist zu neuer Stärke erwacht, Perisic kommt auch langsam, aber das Wichtigste ist wohl der unbedingte Teamgeist, der die einzelnen Spieler immer wieder hat über sich hinaus wachsen lassen. Und das über eine ganze Saison, das verdient schon Respekt. Irgendwie hat Klopp alles richtig gemacht. Die armen Bayern haben schon wieder das Nachsehen, was mir natürlich die Tränen in die Augen treibt. Jetzt hoffe ich nur, dass die Borussen nächste Saison nicht wieder so blauäugig an die Champions League rangehen.  

Doch seitdem der Meister klar ist, scheint irgendwie die Luft aus der Bundesliga raus zu sein. Die Spiele am Wochenende waren alle nur halbgar, viele Unentschieden, dafür wenig Tore und wenig Action auf den Plätzen. Ich habe selten eine so langweilige Konferenz wie diesen Samstag gesehen und die Spiele am Sonntag waren auch nicht prickelnder. Am schlimmsten war natürlich das Debakel der Hertha gegen Kaiserslautern, das Trainer und Manager mit versteinerten Mienen hinterlassen hat. Diesmal scheint die Otto-Magie überhaupt nicht zu greifen. Denn sonst mag der Mann vielleicht keine Ahnung von Taktik gehabt haben, aber er war immer groß darin, Spieler aufzubauen und auch Gurkentruppen zu Ausnahmeleistungen zu bringen. Davon kann diesmal keine Rede sein, die sind eher noch gurkiger geworden, seitdem er an der Spree das Szepter schwingt. Bisher dachte ich ja, dass die Kölner aufgrund ihres Restprogramms und des Chaos, das dort herrscht, die schlechteren Karten haben, aber wenn man zuhause gegen Kaiserslautern verliert, dann ist einem wohl nicht mehr zu helfen. Mir solls recht sein, dann haben wir halt statt der Hauptstadt nächstes Jahr die Metropole Fürth in der Liga. Die spielen wenigstens mit Begeisterung Fußball.  

Am Samstag habe ich dann seit längerer Zeit das erste Mal wieder das Sportstudio gesehen und da hatten sie gleich einen illustren Gast: Michael Ballack. Ich war ja nie ein großer Fan von ihm, aber in letzter Zeit hat er mir doch Leid getan, wo er in Leverkusen so arg unter die Räder gekommen ist. Doch nach seinem Auftritt bei Frau „Reichsparteitag“ habe ich meine Zweifel, ob mein Mitleid begründet ist. Sicher, er hatte vorher eine ganze Menge Kreide gefressen, darum hat er sich auffällig zurückgehalten, aber man deutlich gemerkt, wie schwer ihm das fällt. Wie kann man nur so uneinsichtig sein? Es ist alles die Schuld von anderen oder vielleicht auch der Umstände, aber er, er hat sich nichts zuschulde kommen lassen und nur diszipliniert und engagiert seinen Job gemacht. Dabei hat er so sauertöpfisch geguckt, dass man meinen könnte, er würde den Jogi Löw und alle Leverkusener am liebsten bei lebendigem Leibe verspeisen. Das Ganze sollte wohl den Eindruck vermitteln, dass alle diese bösen Menschen permanent auf dem armen Michael rumhacken und er versteht die Welt nicht mehr. Aber er möchte natürlich keine Namen nennen. Dass seine Leistungen in Leverkusen bestimmt keine fünf Millionen Jahressalär wert waren und auch die Nationalmannschaft seit seinem Ausscheiden viel besser dasteht, das wurde irgendwie weggelassen. Dazu hat er in den letzten zwei Jahren ja auch noch permanent die beleidigte Leberwurst gespielt, auch das kam nicht vor. Ich bleibe dabei: Der Mann ist eine wandelnde PR-Katastrophe und ein richtiger Leader war er ohnehin nie. Na, vielleicht schafft er das ja in den USA, da sind die Ansprüche ohnehin nicht so hoch. Wenn sie ihn da überhaupt haben wollen.  

Bis denne, Bene

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