33. Spieltag:
Tschö Raul

Ich bin ja nicht gerade als Bayern-Fan bekannt, aber ich muss gestehen, dass es mir im Moment immer schwerer fällt, den Rekordmeister so richtig zu hassen. Irgendwie war das früher leichter, wo es noch so Spieler wie Jancker, Jeremies, Pfaff, Kahn oder den legendären Lothar Matthäus gab, die das Ekelbayern-Gen ordentlich verkörperten. Das geben die Schweinsteigers und Co. einfach nicht mehr her. Ganz im Gegenteil, nach den Spielen gegen Madrid muss ich sagen: Hut ab! Das war erste Sahne. Immerhin haben sie von den 210 Minuten gegen diese Übermannschaft mit dem Hundert-Tore-Sturm gerade mal eine Viertelstunde gewackelt, ansonsten hatten sie Real absolut im Griff und sind verdient ins Finale eingezogen. Und dass der gockelige Ronaldo mal wieder einen entscheidenden Elfmeter versemmelt hat, erfüllt mich mit einer gewissen Schadenfreude. Überhaupt war von der breiten Brust, mit der Real noch vor dem Rückspiel geprahlt hatte, nach den ersten 15 Minuten nicht mehr viel zu sehen. Die sind doch nach der Pause nicht einmal mehr gefährlich vors Tor der Bayern gekommen. Jetzt drücke ich den Münchnern auch im Finale ordentlich die Daumen, besonders nach dem Anti-Fußball von Chelsea gegen Barca. Dazu hat schon Matthias Sammer deutlich seine Meinung gesagt, der ich mich nur anschließen kann. Vielleicht ist es ja wirklich die einzige Möglichkeit, Barca auszuschalten, indem man sich die ganze Zeit hinten reinstellt und das Spiel mit permanenten Mätzchen noch zusätzlich zerstört, aber das hat nichts mehr mit Unterhaltung zu tun, es ist einfach widerlich. Ich hoffe also, dass die Londoner im Finale dafür satt einen auf die Mütze kriegen und dem Abramowitsch gönne ich sowieso nicht das Schwarze unterm Nagel.  

National werde ich mir allerdings treu bleiben, da sind die Bayern erst mal Gegner, solange es nicht gegen Hertha geht. Wobei sie ja jetzt ganz locker und gut gelaunt aufspielen und sich aus der verpassten Meisterschaft gar nicht so viel zu machen scheinen. Auch das ist neu bei den Bayern. Dortmund wird brav gratuliert, keine Schimpftiraden mehr, sondern Friede, Freude und Eierkuchen. So war der gesamte Spieltag eher ein flotter Aufgalopp ohne große Folgen, wenn man einmal davon absieht, dass die beiden Teams, für die es wirklich noch um was geht, mit Abstand die leblosesten Vorstellungen abgegeben haben. Sowohl die Kölner als auch die Hertha haben sich praktisch kampflos ergeben, keine Kondition, kein Biss, kein Nix. Dafür sind beiden jeweils vier Tore eingeschenkt worden, die sie nahezu apathisch hingenommen haben. Da wirken die Kommentare der Verantwortlichen danach wie ein schlechter Witz. Man redet von Ärmel hochkrempeln, jetzt noch mal alles geben usw. Bloß die Spieler machen nicht mit und tun so, als wären sie mit dem Kopf schon im Urlaub. Ich will nur hoffen, dass das bis zur Relegation anhält, dann hätte die Fortuna ja doch noch eine Chance, auch wenn mir bei dem Spiel gegen Fürth die Haare zu Berge standen und ich wirklich nicht weiß, womit die das Unentschieden verdient haben. Aber Fan sein war ja noch nie rational, also fiebere ich weiterhin mit.  

Das Bemerkenswerteste an diesem Spieltag fand ich eigentlich den Abschied von Raul, der die Ballacks und Adlers klar in den Schatten gestellt hat. Ich denke mal, der Mann hat alles richtig gemacht, so frenetisch wie er gefeiert wurde. Überhaupt bin ich immer wieder erstaunt, wieviel Respekt Herrn Gonzales Blanco ligaweit in diesen zwei Jahren entgegengebracht wurde. Wir scheinen mit unserer Bundesliga doch einen ziemlichen Minderwertigkeitskomplex zu haben, dass wir allein die Tatsache, dass ein „Weltstar“ bei Schalke anheuert, so zelebrieren. Andererseits ist es ja auch ein gutes Zeichen, dass es so etwas wie Respekt in diesem gnadenlosen Geschäft immer noch zu geben scheint. Ich gönne es ihm auf jeden Fall und er hat schließlich für einige schöne Highlights gesorgt.  

Bis denne, Bene

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