Relegation:
Das „Skandalspiel“

Jetzt haben sich alle die Mäuler zerrissen über das vermeintliche Skandalspiel dieser Saison, die Presse und das Fernsehen hatten ihr gefundenes Fressen, das sie auch weidlich ausgekostet haben. Da möchte ich nicht nachstehen und meinen Senf zum Geschehen abgeben, auch wenn es vielleicht keinen interessieren mag. Ich war nämlich im Stadion, wie ihr euch vielleicht denken könnt. Das Spiel war ja schon aufregend genug, mein Pulsschlag geriet schnell in bedenkliche Regionen, obwohl die Fortuna das Spiel ja mit einem Paukenschlag begann. Aber insgesamt war die Hertha die reifere Mannschaft mit der weitaus besseren Spielanlage. Nichts zu sehen von einem Auseinanderfallen wie in der zweiten Halbzeit des Hinspiels, sie haben gekämpft und gebissen. Dagegen sah die Fortuna bisweilen etwas einfältig aus, sie haben zwar gefightet, aber von einem geordneten Spielaufbau konnte nur selten die Rede sein.

Doch die Berliner haben sich letzten Endes selbst geschlagen, die guten Ansätze waren spätestens am Strafraum zu Ende und wenn es einmal gefährlich wurde, dann eigentlich nur über Standards. Außerdem waren sie hinten wie ein Hühnerhaufen und haben die schnellen Konter der Düsseldorfer fast regungslos über sich ergehen lassen. Dann kam auch noch die gelb-rote Karte für Ben Hatira, der sich mit einem total dämlichen Foul praktisch selbst vom Platz gestellt hat. Damit hat er die Hertha zusätzlich geschwächt. So kamen sie nur noch zum – ebenfalls überflüssigen – Ausgleichstreffer, bevor es dann richtig los ging. Den Anfang machten allerdings die Hertha-Fans, die schon vor dem Spiel ordentlich Leuchtmunition und Kracher verballert hatten. Auf einmal schossen sie aus allen Rohren und möglichst auf den Platz, wo die ganzen Spieler noch standen. Dass die Leute aus dem Fortuna Fanblock direkt antworteten, war natürlich selten dumm, allerdings haben sie „nur“ Bengalos abgebrannt. Trotzdem, diese Unsitte sollte möglichst schnell aufhören, ich finde das nicht atmosphärisch sondern nur total Banane.

Als dann das Publikum auf den Platz strömte, habe ich es nicht verstanden, weil eigentlich klar war, dass der Schiedsrichter noch nicht abgepfiffen hatte. Aber diese ganzen Vollpfosten haben wohl gedacht, dass es so weit ist und wollten jetzt endlich feiern. Hier haben die Verantwortlichen einen Moment zu lange gezögert, denn wenn sie sofort verkündet hätten, dass das Spiel noch läuft, und die Ordner scheller reagiert hätten, hätte man das vielleicht noch bremsen können. Allerdings konnte von Gewalt keine Rede sein, die Fans freuten sich über den vermeintlichen Aufstieg und wollten einfach nur feiern. Ob man dann gleich den Rasen aufreissen, das Tor zerlegen und mit einem brennenden Bengalo in der Hand rumlaufen muss, will ich mal dahingestellt lassen, aber da war keiner auf Randale aus, es ging nur ums Feiern. Ich habe mich demnach auch überhaupt nicht bedroht gefühlt, sondern bloß geärgert, dass die da unten alle so bekloppt sind und es nicht abwarten können. Ein Lob allerdings gilt dem Schiedsrichter, der die ganze Sache mit Hilfe des Stadionsprechers und der Ordner dann irgendwie wieder in den Griff gekriegt hat. Er hat es sogar geschafft, die Berliner wieder auf den Platz zu bringen, obwohl die bestimmt am liebsten gar nicht mehr angetreten wären. Als dann alles glücklich über die Bühne war, wurde auch ganz friedlich gehumbat, gesungen und gefeiert. Keine Schlägereien, alle Spieler kamen gesund vom Platz und die Fortuna wurde hochleben gelassen.

Ich denke, die sensationsgeilen Medien haben hier aus einem blöden Zwischenfall mal wieder ein Oberdrama gemacht und die Berliner haben diese Vorlage genutzt, um die käglich versemmelten Punkte doch noch am grünen Tisch zu holen. Doch wenn jetzt von Todesangst der Spieler geredet wird, ist das lächerlich. Dann waren wohl die Spuckattacke von Herrn Lell oder die Schläge von Kobiashvili für den Schiedsrichter Panikreaktionen, oder wie soll ich das verstehen? Und das Herr Preetz jetzt sagt, man ist es den Fans schuldig, den Einspruch einzulegen, ist schlicht gesagt, lächerlich. Ihm geht es doch nur darum, seinen eigenen Arsch zu retten. Natürlich ist es schwachsinnig, dass sich Lumpi Lambertz später mit einem brennenden Bengalo fotografieren lässt. Aber wenn das ganze zwei Minuten später passiert wäre, als dann wirklich abgepfiffen war, hätte kein Mensch etwas gesagt. So wurde ein Kriegszustand herbeigebetet, der definitiv keiner war. Auch über die Rolle des Fernsehens kann man sich streiten, die Herren Beckmann und Scholl haben auf jeden Fall ihren Teil zur allgemeinen Hysterie beigetragen. Hierzu gibt es einen guten Artikel im Internet unter http://www.publikative.org/2012/05/16/hurra-wir-leben-noch/?wpmp_tp=0, wenn es jemanden interessiert.

Allerdings muss ich sagen, dass mir nach dem ganzen Mist nicht mehr zum Feiern zumute war und ich meinen Ausflug in die Altstadt einfach gestrichen habe. Ich hoffe, nur, dass der Aufstieg nicht am grünen Tisch entschieden wird, bleiben wir doch sportlich. Natürlich darf man auch nicht so tun, als ob nichts gewesen sei, wenn es eine Konventionalstrafe gibt, darf sich keiner beschweren, aber die Hertha-Fans waren zumindest nicht besser als die anderen. Und wenn sie nach dem 2:1 nicht wie wild um sich geschossen hätten, wäre uns diese ganze Nachspielzeit sowieso erspart geblieben. Und wir hätten einfach ausgelassen feiern können. Das haben sie uns gründlich versaut.


Bis denne, Bene


Kommentare:

Zu diesem Artikel sind keine Kommentare vorhanden.
Kommentar schreiben